Am Samstag, den 23. August 2008, fand in Münster der erste westfälische Ärztetag statt. Für das Bundesland NRW ein ganz besonderes Datum, denn schließlich sollen hier Möglichkeiten gefunden werden, um die beruflichen Perspektiven für junge Mediziner zu verbessern.
Aktuell können sich Ärzte, ob im Krankenhaus oder einer kleinen Praxis, nur wenig um die eigentliche Aufgabe, nämlich die Versorgung der Patienten kümmern. Vielmehr müssen sie sich mit Bürokratie und dem Ausfüllen unterschiedlichster Formulare, dem Schreiben von Berichten usw. herum schlagen. Kein Wunder also, dass jährlich 500 junge Ärzte Nordrhein-Westfalen verlassen und ihr Glück im Ausland suchen.
Experten sehen diese Trendwende, diese Flucht junger, gut ausgebildeter Ärzte ins Ausland, mit wachsender Besorgnis. Was in anderen Teilen Deutschlands schon längst eingetreten ist, könnte sich dadurch auch für NRW bewahrheiten – es wird auf Dauer ein Ärztemangel entstehen. Vor allen Dingen ist es für viele Ärzte schwierig, sich noch ein Auskommen mit ihrem Einkommen zu sichern.
Wer als Arzt eine eigene Praxis betreibt, ob in NRW oder andernorts, der wird große Probleme haben, tatsächlich wirtschaftlich zu arbeiten. Denn hier gilt, dass für jeden Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung nur geringe pauschale Beträge für die Behandlung abgerechnet werden können. Bei Privatpatienten sieht das freilich anders aus, doch die Ärzte müssen erst einmal einen gewissen Stamm an Privatpatienten aufbauen, um überleben zu können. Und diese gehen aufgrund der hohen Kosten für die Arztbesuche nur äußerst selten zum Fach- oder Allgemeinarzt. Gerade Selbstständige werden sich hüten, den Arzt aufzusuchen, könnte dieser sie doch krankschreiben und sie würden Einkommenseinbußen erzielen.
Auf dem ersten westfälischen Ärztetag soll deshalb beraten werden, wie man Mediziner in NRW entlasten könne, wie auch Ärzte im Krankenhaus sich weniger mit Krankenberichten, dafür aber mehr mit den Patienten selbst auseinander setzen könnten. Bleibt zu hoffen, dass die Experten hier eine Lösung finden, damit es nicht auch in NRW zu einem Ärztemangel kommen wird.
