Ein schlanker Mann und seine elfengleiche Begleiterin schweben zu dunklen Klängen über die Tanzfläche des Gothic Clubs. Düster oder romantisch – was ist Gothic? Die Musik, die aus den Lautsprechern dröhnt wird nun härter, aber nicht weniger düster. Das Mädchen und der junge Mann bewegen sich nun schneller, schütteln ihr langes schwarzes Haar. Schwarz trägt im Gothic Club in Toronto jeder, schwarze Samtkleider, schwarze Capes, reich verzierte schwarze Hemden, oder schwarze Miniröcke, die die Hüften kaum bedecken.
Willkommen im Reich der Goths, wo Vampire in sind und alles schick, was dunkel und tot ist. Die Gothic Szene wurde nach einem kurzen Ausflug in den Mainstream in den 80er Jahren für tot erklärt. Aber Gothic wäre nicht Gothic, wenn genau diese Tatsache ihm nicht Leben einhauchen würde.
Mal zählen sich mehr Menschen jeden Alters dazu, mal weniger. Mehr werden es meist nach einem Vampir-Blockbuster im Kino. Der Kern der Gothic Szene ist jedoch seit Jahren beständig.
Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendbewegungen bleiben viele Goths auch im Erwachsenenalter was sie sind, Goths, die dreißig, vierzig Jahre und älter sind, sind zwar selten, kommen aber durchaus vor. Das liegt daran, dass Gothic auch erwachsene Züge hat – eine Leidenschaft für Philosophie, Poesie und Ästhetik sind schließlich nichts, was sich auf die Teenagerzeit beschränkt. Denn hinter der vordergründlichen Grabesstimmung geht es bei Gothic in erster Linie um Nachdenklichkeit und Schönheit.
„Gothic ist ein Ableger des Punk, mit dem Unterschied dass es dabei mehr um Schönheit, Nachdenken und Morbidität geht, im Gegensatz zu dem Witz, den Punk darstellte: wie ein Idiot angezogen und talentlos zu sein“ klärt der Besitzer des Clubs auf. Dass es dabei durchaus mit Humor zugehen kann bezeugt sein Club, in dem die Szene sich selbst ironisch zitiert.
